Donnerstag, 10. Januar 2008, 19.30 Uhr
Halbmond und Hakenkreuz
Das 'Dritte Reich', die Araber und Palästina
Buchvorstellung und Diskussion mit Dr. Martin Cüppers

Während die Wehrmacht den Zusammenschluss der Afrika- und der Kaukasus-Front in einer Zangenbewegung im Nahen Osten anstrebte, wurden bereits detaillierte Pläne zur Vernichtung der Juden in Palästina ausgearbeitet. Fest einkalkuliert war dabei die Mithilfe der in der Region ansässigen Araber – immerhin hatte sich der Großmufti von Jerusalem, ein Verwandter Arafats, in Berlin mit Hitler getroffen.
Dr. Martin Cüppers, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle Ludwigsburg, stellt die Beziehungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem arabischen Nahen Osten dar, ein Verhältnis, das in seiner Tragweite bisher nicht erkannt, verdrängt oder gar verleugnet wurde.
Hörsaal D im Hörsaalgebäude der Uni Köln (Albertus-Magnus-Platz).
Eine Veranstaltung von Never Again!, der Georg-Weerth-Gesellschaft Köln und der Fachschaft Philosophie der Uni Köln.
Bildinfo: Mohammed Amin al-Husseini, Großmufti von Jerusalem und Verbündeter des 'Dritten Reiches' mit einem Mitglied der muslimischen SS-Division »Handschar« (Quelle).

Flyer
Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts
»Schnittmengen« zwischen linker Politik und deutscher Ideologie
Wenn sich deutschen Politikern die soziale Frage stellt, so steht die nationale Antwort meist schon fest. In diesem Sinne ist Oskar Lafontaine, der wiederauferstandene Patron keynesianistischer Realitätsverleugnung und scharzüngige Volkstribun ein durch und durch deutscher Politiker. Er macht sich viele Gedanken um soziale Probleme und will diese auf eine Art und Weise beheben, die zwar nicht gerade von einer auch nur annähernden Berücksichtigung von historischer Erfahrung oder gar einer kritischen Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse zeugt, ohne die eine handelsüblicher Populismus wie jener des Oskar Lafontaine aber schlichtweg nicht zu haben ist: Durch die Mobilisierung von Staat und Volkszorn.

Die Verbindung von Etatismus, dem neben Lafontaine auch seine Jünger in der Linkspartei huldigen, mit der Inanspruchnahme eines schlichtweg reaktionären Durchschnittsbewusstseins des glorifizierten Volkes birgt die Tendenz zum Pogrom schon in sich; Lafontaine will nicht einfach nur einen keynesianistischen Rollback vollziehen sondern die Ressentiments, die er mit seinem Populismus bedient, zur Staatsräson erheben. Dieser Wille konnte vor allem während den Hartz-IV-Protesten und dem Bundestagswahlkampf 2005 eindeutig nachvollzogen werden; Schuld an der Misere sei nicht die irrationale Logik des subjektlosen kapitalistischen Selbstzwecks, materiellen Reichtum einzig zur eigenen Reproduktion herzustellen, und dabei gleichsam Armut, Unfreiheit und Konkurrenz bis aufs Messer hervorzubringen, als gäbe es eben jenen Reichtum gar nicht; Schuld sei viel mehr das Missmanagement von »denen da oben«, den Politikern und Unternehmern die sich nicht dem Willen des Volkes unterwerfen und stattdessen bloß ihren eigenen Interessen dienen – kurz, der »neoliberale Konsens«. Lafontaine nimmt also die altbewährte Unterteilung vor in brave, rechtschaffene und hart arbeitenden Bürger, und asoziale Schmarotzer – ein kaum nachzuvollziehender Rückfall in einen reaktionären Antikapitalismus und säkularen Tugendterror, von jemandem dem einmal in einem lichten Moment die Einsicht zufiel, dass die nun von ihm selbst beschworenen Sekundärtugenden genügen, »um ein KZ zu betreiben«. Die Unterteilung von Menschen in Brave und Tugendhafte auf der einen und Asoziale (man könnte auch Volksfremde sagen) auf der anderen Seite, die der linke Volkstribun am Beispiel des deutschen Familienvaters, den die Regierung vor den osteuropäischen »Fremdarbeitern« schützen muss, wurde von Lafontaines hauptberuflichem Nachplapperer Jürgen Elsässer noch auf die Spitze getrieben, als dieser gegen Gender- und Integrationsprojekte hetzte.
Anstatt also die Einheit derer zu erkennen, die, trotz gänzlich unterschiedlicher gesellschaftlicher Positionen der kapitalistischen Reproduktion unterworfen sind, um dann diese Unterwerfung zu kritisieren und die Selbstermächtigung des Individuums in der »Einheit der Vielen ohne Zwang« (Adorno) zu fordern wird ein Weltbild kreiert, in dem einige Wenige Macht haben, verantwortlich sind und sich auf Kosten der Mehrheit bedienen – hierunter fallen nicht nur Politiker und Manager, sondern nach der Logik Lafontaines eben auch jene, die ganz offensichtlich keinerlei Macht und Einfluss haben, nämlich die so betitelten »Fremdarbeiter« oder auch Immigranten, die der linke Populist gerne durch Auffanglager in Nordarfrika am Einreisen hindern würde; diesen Schmarotzern steht die große Mehrheit gegenüber, die von den bösen Subjekten verarscht wird. Die zwingenden Konsequenzen hieraus sind der Ausschluss der bösen Subjekte aus der Gemeinschaft der Tugendhaften und die Unterwerfung des Individuums und seiner Interessen unter den ressentimenthaltigen common sense des Volkes.
Der Hass auf das eingeschränkt positive Resultat der kapitalistischen Umwälzung der Welt, die Befreiung des Individuums aus tradierten Zwängen wie Familie, Sippe, Stamm und Religion, und die Transformation des Einzelnen zum selbstverantwortlichen warenproduzierenden Subjekt (also ein Positives, welches mit dem Negativen untrennbar verbunden, dessen konstitutives Moment ist); diesen Hass, den Lafontaine gerne als Kritik an einem »übersteigerten Individualismus« bezeichnet, teilt er mit den von ihm umworbenen Diktatoren Ahmadinejad und Chavez. Dieser Hass tritt meist nur allzu offen zu Tage in Form eines üblen Antiamerikanismus und Antisemitismus. Einig ist sich Lafontaine mit seinen antiimperialistischen Buddies darüber, das man »die Juden und den Staat Israel nicht mögen muss«, und viel mehr noch: Ahmadinejad möchte das »zionistische Gebilde« von der Landkarte tilgen, und Chavez weiß, dass »die Nachkommen derer, die Christus ans Kreuz geschlagen haben, sich den ganzen Wohlstand der Welt genommen haben«, und schürt nicht zuletzt so den grassierenden antisemitischen Terror gegen die venezolanische jüdische Gemeinde. Solche Tatsachen sind weder Lafontaine noch seiner hörigen Partei kritikwürdig, sie werden systematisch verharmlost. Es bestätigt sich wieder mal, dass ein verschwörungstheoretisches Weltbild stets einhergeht mit Antismemitismus auf der einen und der Glorifizierung einer homogenen und autoritären Gemeinschaft auf der anderen Seite; die von Lafontaine hofierten Regimes in Iran und Venezuela sind das beste Beispiel dafür.
Lafontaines Antiindividualismus und Antiimperialismus, der bei den vielen Arbeitsfetischisten, Volkstümlern, DDR-Nostalgi- kern, Querfrontlern, Nazi- und Islamistenverstehern in der Linkspartei auf lautstarke Zustimmung stößt, und der sich nicht zuletzt darin äußert, dem Kampf gegen die terroristischen Banden in Palästina, im Libanon, im Irak und in Afghanistan scheinheilig in die Parade zu fahren um ihn somit praktisch zu unterstützen; diese populistische Ideologie ist genuine deutsche Ideologie. Sie predigt Unterwerfung unter die Notwendigkeiten statt Emanzipation vom äußerlichen Zwang. Dass Lafontaine »Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion« konstatiert, die er insbesondere im Kollektivismus und im Zinsverbot (!) erblickt, ist nur das Puzzlestück, welches das Gesamtbild vervollständigt. Lafontaines Kritik ist bloße Überaffirmation an das Bestehende bzw. dessen Verschärfung im kollektiv unterworfenen Ganzen.
Never Again! Antifaschistische Gruppe Bonn
neveragain.antifa.net
